Forschungsdesign – Mixed Methods

Forschungsdesign – Mixed Methods

Um die Forschungsfragen beantworten zu können, wird ein sequenzielles Mixed Methods Design angewendet. Es handelt sich um ein multiphasiges Mixed Methods Design in dem qualitative und quantitative Erhebungen einander abwechseln und miteinander integriert werden.

Das SQTE-Projekt besteht aus drei Hauptteilen und fünf Phasen:

  1. Explorationsstudie
    • Phase 1 – qual
    • Phase 2 – quan
  2. Hauptstudie
    • Phase 3 – QUAL
    • Phase 4 – QUAN
  3. Dissemination
    • Phase 5 – Integration

Explorationsstudie -
Phase 1 und Phase 2

In der Explorationsstudie wird in einer qualitativen Erhebung (Phase 1) eruiert, was aus der Sicht unterschiedlicher Stakeholder im Bereich des Bildungswesens in Österreich die derzeit zentralen Fragen im Zusammenhang mit Schulqualität darstellen. Dazu werden Interviews mit Inspektoren, Direktoren und anderen für die Qualität von Schule zuständigen Personen geführt. In einer Gruppendiskussion mit zentralen Stakeholdern aus dem Bereich Theorie und Praxis von Schulqualität, Schul-Leadership und Lehrerbildung in Österreich wird diese Frage ebenso aufgeworfen.

Ziel der explorativen Interviews in Österreich ist es zu eruieren, wie das SQTE Projekt den größtmöglichen Nutzen für Österreichs Schulsystem bringen kann, bzw. wie das Projekt Einsichten für die Praxis von Direktor/innen, Inspektoren und anderen für Qualitätsentwicklung verantwortlichen Stakeholdern bereitzustellen imstande ist. Dazu wurden vier Interviews mit einem Inspektor, einer Direktorin einer NMS, der zuständigen Person für Schulqualitätsentwicklung im Ministerium und einer Lehrperson, die sich als Teach for Austria Fellow engagiert, durchgeführt. Es wurden darüber hinaus sechs explorative Interviews mit Direktor/-innen zweier hochgradig effektiver Schulen in Oxfordshire durchgeführt, um zu eruieren, welche Themen die Direktoren aufbringen, wenn sie hinsichtlich Schulqualität in Interviews zum Sprechen gebracht werden. Der qualitative Teil der Explorationsstudie mündet in die Entwicklung des Interviewleitfadens.

In dieser Phase des Projektes stellte sich heraus, dass insbesondere die Qualitätsentwicklung in sogenannten „Brennpunktschulen“ und die Hebung der Lernergebnisse von benachteiligten Schüler/-innen für Österreich zentrale Themen darstellen. Aus diesem Grund und aufbauend auf die Literaturstudie wurde entschieden, den Hauptfokus der SQTE-Studie auf Qualitätsentwicklung in Turn-Around-Schulen in London und in den sogenannten Opportunity Areas zu legen.

Im quantitativen Teil der Explorationsstudie (Phase 2) werden Inspektionsberichte (Ofsted-Inspektionen) sowie Schulleistungs- und Verbesserungsdaten (Progress 8 Score) zur Identifikation hochgradig effektiver und sich verbessernder Schulen in England analysiert, um auf dieser Grundlage die stratifizierte Stichprobe sowohl für die qualitative als auch die quantitative Hauptstudie ziehen zu können. Sie finden hier die gesammelten Schulleistungsdaten einer Schule in Bradford, an der wir einige Direktor/innen interviewt haben.

Am 25.3.2019 fand im Rahmen des Projektes an der Universität Salzburg eine Gruppendiskussion statt, an der rund 50 Direktor/innen, Lehrpersonen, Schulinspektor/innen, Lehrerbildner und Wissenschaftler/innen teilnahmen. Im Bild Ulrike Greiner, Leiterin der School of Education der Universität Salzburg und Michael Sörös, Landesschulinspektor, der mit einem Impulsvortrag die Diskussion startete.

Hauptstudie
Phase 3 und Phase 4

Die Hauptstudie besteht auch aus einem qualitativen und einem quantitativen Teil. Innerhalb des qualitativen Stranges (Phase 3) werden 43 Schulleiter hochgradig effektiver Schulen in verschiedenen Gebieten Englands interviewt. Insbesondere Schulen mit einem hohen Anteil von benachteiligten Schüler/innen werden in die Stichprobe aufgenommen. Ein besonderes Augenmerk wird auf effektive Schulen in London und in den sogenannten Social Mobility and Opportunity Areas gelegt.

Interviewpartner werden mit einer E-Mail über das Projekt informiert (siehe hier das offizielle Informationsschreiben, das an die Direktoren übermittelt wird). Bei einer Zusage wurden Interviewpartner/-innen in ihrer Schule besucht und interviewt. Vor dem Interview unterschreiben die Interviewpartner eine Einverständniserklärung (siehe hier). Die Schulleiter entscheiden, ob sie anonym bleiben möchten oder ob sie und ihre Schule in Publikationen genannt werden dürfen. Insgesamt wurden bisher 17 Schulen in acht verschiedenen Städten besucht (London, Birmingham, Bradford, Winchester, Tunbridge Wells, Norwich, Oxford und Didcot). Alle Interviews liegen vollständig transkribiert nach Drehsing & Pehl, 2011 vor und werden analysiert und ausgewertet.

Im Sinne des Mixed Methods Ansatzes werden aus den ausgewerteten Interviews die Kategorien und Hypothesen für die Konstruktion eines Fragebogens generiert. Dieser Fragebogen wird im quantitativen Strang der Hauptstudie (Phase 4) an zahlreiche Direktoren in ganz England versendet. Damit liegen sowohl umfangreiche qualitative als auch umfangreiche quantitative Ergebnisse zu den Erfahrungen von hochgradig effektiven Schulleitern und deren Überzeugungen über das, was in der Schulqualitätsentwicklung wirklich wirkt, vor. Die Kombination von qualitativen und quantitativen Methoden macht es möglich zu untersuchen, ob die Dimensionen von Qualität, die in den Interviews gefunden wurden, in einer quantitativen Stichprobe gespiegelt werden können.

Interview mit Adrian Kneeshaw und Jane Girt, Direktor und Vizedirektorin des Carlton Bolling Colleges Bradford. Zum Zeitpunkt des Interview spricht 90,1% der Schüler/innen nicht Englisch als Muttersprache, die meisten Kinder haben einen islamischen Hintergrund. 46,2 % der Kinder gelten als benachteiligt (gemessen an der Free School Meal Score. Die Schule wurde 2014 von Ofsted als „Inadequate“ beurteilt.

Die Schule war bekannt für religiösen Extremismus unter ihren Schüler/innen. Direktor Adrian Kneeshaw schreibt die positive Entwicklung, die seitdem stattgefunden hat, starkem pädagogischen Leadership zu. Heute gilt die Schule als Vorzeigeschule, insbesondere was die Erhöhung von Lernergebnissen für benachteiligte Kinder betrifft. 2017 wurde die Schule in einer Ofsted Inspektion in fast allen Kategorien mit „hervorragend“ bewertet. In den Medien wurde über diesen Erfolg berichtet (siehe beispielsweise hier).

Dissemination
Phase 5

In der Integrationsphase (Phase 5) wird mit den österreichischen Projektpartnern und einem Team von „critical friends“ (Direktoren, Vertreter aus verschiedenen Bereichen des Schulsystems im Österreich) weiter reflektiert werden, wie die Ergebnisse des Projektes für die Praxis der Qualitätsentwicklung in Schulen in Österreich, in der Ausbildung von Schulleitern und in der Lehrerbildung fruchtbar gemacht werden können.In diesem Sinne soll das Projekt praktisch relevante Reflexionsangebote im Bereich der Schulqualitätsentwicklung und Lehrerbildung auf mehreren Ebenen im Bildungssystem in Österreich liefern.

Die Dissemination von Einsichten aus dem Projekt ist zeitlich nicht auf die Phase 5 beschränkt, sondern hat das Projekt von Anfang an begleitet. So wurde das Forschungsdesign bei verschiedenen Gelegenheiten vorgestellt, erste Einsichten aus der qualitativen Studie in verschiedenen Settings präsentiert und kleinere Publikationen veröffentlicht, die sich teilweise an Praktiker/-innen in Schulen richten. So sollen im Rahmen des SQTE-Projektes mit der Publikationsreihe „School Quality and Teacher Education Snapshots“ wissenschaftliche Ergebnisse der Schuleffektivitäts- und verbesserungsforschung in einer lesbaren Art und Weise Direktor/-innen und Lehrpersonen in der Praxis zur Verfügung gestellt werden. Die Snapshots werden auf der Homepage des SQTE-Projektes veröffentlicht.